1618 werden weiße Rosen sich in Blut ertränken, Seelen geteilt und Tragödien auf Seiten gedichtet.
Und 2020 ist es verdamt wieder zu passieren.
Bonny Shay, Gärtnerin im Schatten der Prager Burg verfallen in Blumen und Schönheit und Herzlichkeit und allem das deinen Namen schreit.
"Kaitlyn Belton."
Selbst gibt dir deine Mutter jedes Leben einen neuen Namen, so werden wir uns doch immer begegnen.
Und uns verlieben-
verloben-
verlieren.
Kapitel 1
Philocaly
1618 und der Tag schien wie einer der mit der viel zu hellen Sonne untergehen solle, bevor meine Knie nachgeben und fallen wie der zwanzigste Schweißtropfen von meiner Stirn. Meine Gedanken schrien nur zwanzig, zwanzig, zwanzig, doch nie könnte ich Geschrei übertönen das wirkte als werde es auf mich herabstürzen und mich begraben auf weißen Rosenbetten.
Ich zählte noch 2000 mehr bevor mein Ebenbild in schwarz verschwand und der Mond nicht mehr die Kraft aufbrachte Schattenbilder auf den Erdboden zu zeichnen. Beinahe fehlten meinen Beinen die selbe Stärke als ich nach Stunden versuchte mich aufzurichten. Aber es zahlte sich aus denn ich konnte zum ersten mal seit Stunden wirklich das Mosaik aus weißen Rosen bewundern.
Die Rosen meines Garten sangen wahrlich jedes Wort zwischen „bleib bei mir meine Liebe" und „wir können nicht sein, nicht heute, nicht hier".
Wunderschön tragisch.
Die Münze drehte sich über meine Handfläche, schneller als meine Beine schritten um noch ein letztes Abendgericht zu erhaschen, bevor sich Türen versperren und Augen verschließen. Ein Schild schlich sich in meinen Blick, zog wie auf Knopfdruck meine Mundwinkel Richtung Himmel als ich die bekannte Figur darin erkannte. Ich erinnerte mich noch daran als mein Vater es für die Familie anfertigte, den Batzen an Geld den er dafür gehendigt bekam. Als Kind sah es zumindest nach viel aus. Heute ist mir bewusst das man sich damit kaum zu Leben für ein paar Tage leisten kann.
Die Bäckerstür bewegte sich im Griff meiner verdreckten Handflächen, verdammte die Klinke ihren Schein zu nehmen. Ein wenig an erdrückendem schlechten Gewissen sammelte sich bei dem erblicken der zurückgelassenen Erde, mit dem Wissen SIE müsse meine Spuren später verschwinden lassen.
„Guten Abend.", war das erste das ich nach dem Knallen der Holztür hörte. Freundlichkeit in der Stimme, die ich nicht nie überhören wolle, gar niemals mein Trommelfell entschwinden lassen würde. Ich schloss die Tür hinter mir, in die Hoffnung die lieblichen Töne bei uns zu behalten, gemeinsam mit dem Geruch der Backwaren.
Mir war klar in jedem Menschen fand sich etwas an Attraktivität und jeder achtet auf eine andere Perspektive dieser Einzigartigkeit. Einer könnte wiedersprechen betitelt ein jemand den Leib seiner Mutter als „Ebenbild" der Schönheit. Und dies empfand ich keineswegs ungerechtfertigt.
Heißt diese Person jedoch Kaitlyn Belton und war beschmückt mit schwarzen Haaren, herzhaften Augen und abgearbeiteten Fingern wäre ein Wort welches unter dem Maß an „wunderschön" stand, ihr unwürdig. Für ein Weltwunder dieses Ausmaßes brauchte man stärkere Begriffe als einen den man im Wörterbuch zu finden vermag. Ein poetischeres Wort als der beste Sänger zu singen gedachte.
Ich musterte den wartenden Blick, erkannte erst jetzt das Fehlen der Begrüßung meiner Seits. Ebenfalls die Erwartungen in ihren Augen, die mir verrieten wie sehr sie sich ebenfalls, nach dem Sonnenuntergang sehnte, unserem täglichen Aufeinandertreffen. „Guten Abend meine Rose, ich war der Überzeugung ich hatte die Blumen hinter mir gelassen und trotzdem stehst du voller Pracht vor mir." Ein Blinder würde den geschmeichelten Scham der Bäckerin fühlen, der durch den Raum zog und mir die Sicherheit verlieh einen Schritt weiter auf die Dame zu zugehen.
Meine Gedanken umschworren von Wörter, konnten keinen Begriff erfassen der zu teilen wagte was meine Rose mich empfinden lässt. Kaitlyn Belton fühle sich an wie ein Liebeslied einen zu spüren vermag, wie jede Silbe von „Ich könnte verzichten auf jeden weiteren Atemzug dieser Erde, aber kein Wort von dir."
„Besser als der Spruch gestern Miss Shay", schmunzelte sie, ignorierend des viel zu bedeutsamen „Miss", dass sie nie ausließ. Nicht einmal durfte ich mir den Titel ihrer Freundin verleihen, mir erhoffen je mehr als ein Kunde zu sein. Doch es war okay, den trotzdem war sie Kaitlyn Belton und jede Strophe eines Liebesgedichts.
„Gefalle ich dir ebenfalls jeden Tag mehr Miss Belton?", forderte ich mein Glück, Arme ausgeruht über dem Raumteiler, der unsere Körper voneinander trennte.
„Miss Shay...", kurz hielt sie Inne, löcherte den Boden mit bedenklichen Blick, bis sie mit ihren flinken Fingern einen Brotleib ergriff und mir entgegen hielt. „Wenn meine Brote auch täglich besser schmecken?"
„Sie ähneln jedem Versuch mehr eines Meisterwerks."
Ich konnte erkennen wie geschmeichelt Kaitlyn sich fühlte, ihre Lippen beschmückt mit dem liebslichsten Lachen, welch niemand mit ihr teilen konnte. Nein, kein Zweiter haben durfte. Denn zwei so Bahnbrechende Wesen durften nicht zur gleichen Zeit leben, die gleiche Luft atmen. Dies wäre ein Weltwunder zu viel.
Meine Hand richtete sich in Richtung ihrer, mit dem Versprechen nie wieder loszulassen würden sie sich einmal umschmiegen. Doch als es passierte, ich das Brot in meinen Fingern trug, war das einzige das ihre Finger umarmten, weißes Mehl. Denn Kaitlyn Belton war nicht meins zu haben, sie war niemandes Besitz. Nicht jetzt, nicht heute, nicht hier. Mein Wunsch war es lediglich dieser göttliche Frau den Himmel auf Erden zu schaffen, denn sie vor Jahren hinter sich lies.
Als ich ihr die Münze überreichte, flüsterte ich jedes zwischen den Zeilen verloren gegangene Wort mit auf die Reise, überzeugt davon diese Strophen nicht für immer in mir einzukerkern. Doch trotzdem existierten die Wörter die über das Limit reichten, überlaufen bis zum nächsten Satz der meine Lippen verlassen sollte.
„Rose, darf ich dich morgen zu den anderen Blumen entführen?"
Trotz des Schutzes ihrer Hand ergriff ihr Lächeln mein Herz, lässt dem Atem, der zuvor eingekerkert in meinen Lungen verweilte seine Freiheit.
„Gerne."