Es war immer dieselbe Uhrzeit.
03:17.
Nicht 03:16.
Nicht 03:18.
Immer genau dieser Moment, als würde etwas darauf warten, dass die Welt kurz den Atem anhält.
Noah lag wach.
Das Handy auf dem Nachttisch war dunkel, aber nicht still.
Es fühlte sich an, als würde es ihn beobachten.
Die Wohnung war zu ruhig.
Selbst der Kühlschrank klang heute gedämpft, als hätte jemand die Realität ein Stück weiter
weggedreht.
03:16.
Noah blinzelte.
03:17.
Das Handy vibrierte.
Nur einmal.
Dann leuchtete der Bildschirm auf.
Unbekannte Nummer.
Keine Länderkennung. Keine Spur. Nichts, was Sinn machte.
Die Nachricht war kurz.
„Erinnerst du dich jetzt?“
Noah schloss die Augen.
Nicht überrascht. Eher… erschöpft davon, dass es wieder passiert war.
„Natürlich“, murmelte er leise. „Du wieder.“
Er setzte sich auf. Das Bett knarrte zu laut, als würde selbst Holz hier Aufmerksamkeit wollen.
Seine Finger zitterten nicht. Das war das Seltsamste daran.
Er sollte Angst haben. Aber da war nur diese vertraute Leere, wie ein Gedanke, der schon oft gedacht wurde.
Er tippte auf die Nummer.
Anruf.
Einen Moment lang klingelte es.
Einmal.
Zweimal.
Dann: nichts.
Nur Stille.
„Nicht erreichbar.“
Noah starrte auf den Bildschirm.
Dann probierte er etwas anderes. Rückverfolgung. Apps. Systeme. Irgendetwas.
Die Anzeige blieb gleich.
Nummer existiert nicht.
Er lachte kurz.
Ein trockenes, kurzes Geräusch ohne Freude.
„Natürlich existierst du nicht… aber schreiben kannst du.“
Das Licht im Flur flackerte.
Einmal.
Zweimal.
Noah sah nicht hin.
Er wusste, dass es schlimmer wäre, wenn er es bewusst wahrnahm.
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Zur selben Zeit träumte Kian.
Oder besser gesagt: er fiel hinein.
Eine Straße.
Nass vom Regen, obwohl er nicht wusste, wann es geregnet hatte.
Laternenlicht, das sich wie flüssiges Gold auf dem Asphalt ausbreitete.
Und dort stand er.
Der Mann.
Immer derselbe Abstand.
Immer zu weit, um sicher zu sein, dass er real war.
Sein Gesicht… war nicht klar.
Es war nicht verschwommen wie Nebel. Eher so, als würde sein Gehirn aktiv verhindern, ihn zu sehen.
Kian wollte näher gehen.
Aber seine Füße bewegten sich falsch.
Wie in einem Spiel, das laggt.
Der Mann hob den Kopf leicht.
Nicht bedrohlich.
Eher… vertraut.
Als würde er warten.
„Wer bist du?“, wollte Kian fragen.
Aber seine Stimme kam nicht.
Nur ein Kratzen im Hals.
Der Mann sagte nichts.
Und trotzdem hörte Kian etwas.
Nicht mit den Ohren.
„Du erinnerst dich nur falsch.“
Plötzlich schwarzer Schnitt.
Kian riss die Augen auf.
Sein Zimmer.
Sein Atem zu laut.
Sein Herz zu schnell.
Und dieses Gefühl:
Jemand war noch da gewesen.
______________________
Am Morgen war die Welt wieder normal.
Das war das Problem.
Sie tat immer so, als wäre nichts passiert.
Noah stand an der Bushaltestelle. Menschen redeten. Autos fuhren. Leben lief, als hätte es keine Risse.
Bis jemand an ihm vorbeiging und kurz innehielt.
„…Leon?“
Noah drehte den Kopf.
Der Mann sah ihn verwirrt an.
„Sorry. Falscher Typ.“
Und ging weiter.
Noah blieb stehen.
Leon.
Der Name blieb hängen wie ein Splitter im Kopf.
Er hatte diesen Namen noch nie gehört.
Trotzdem fühlte er sich… falsch vertraut an.
___________________________
Kian saß im Zug.
Fensterplatz.
Er sah sein Spiegelbild, aber es fühlte sich nicht ganz nach ihm an.
Als hätte jemand ein Detail vergessen.
Dann draußen auf dem Bahnsteig.
Ein Mann.
Regungslos.
Zu still für einen Ort, der sich bewegt.
Kian beugte sich leicht vor.
Und da war er wieder.
Der Mann aus dem Traum.
Direkt draußen.
Schaut ihn an.
Kian stand abrupt auf.
Doch als der Zug weiterfuhr, blieb der Bahnsteig zurück.
Und der Mann.
War weg.
Als hätte er nie existiert.
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Später am selben Tag.
Zufall.
Oder etwas, das so tat, als wäre es Zufall.
Ein kleiner Laden. Vielleicht Café. Vielleicht Kiosk. Egal.
Noah trat ein.
Kian war bereits dort.
Beide bemerkten sich sofort.
Nicht bewusst.
Eher wie ein Fehler im System, der kurz aufpoppt.
Blickkontakt.
Ein Sekundenbruchteil zu lang.
Noah spürte es zuerst.
Ein Ziehen hinter den Augen.
Kian dagegen ein Flackern im Kopf.
Als würde etwas versuchen, hochzukommen.
„Kenn ich dich?“, fragte Kian schließlich.
Noah antwortete zu schnell:
„Nein.“
Pause.
Zu hart.
Beide wussten es.
Das war nicht die Wahrheit.
Oder nicht die ganze.
Als Kian später an Noah vorbeiging, streiften sich ihre Schultern.
Nur kurz.
Hautkontakt.
Und die Welt kippte.
Für eine halbe Sekunde war da kein Café mehr.
Nur:
Sirenen.
Metallischer Geschmack.
Ein Schrei, der nicht ausgesprochen wurde.
Und eine Stimme, nah, zu nah:
„Ihr habt zugestimmt.“
Kian riss sich zurück.
Noah auch.
Beide standen plötzlich weiter voneinander entfernt, als sie eigentlich waren.
Stille.
Schwer.
Unnatürlich.
„Was… war das?“, flüsterte Kian.
Noah sah ihn an.
Zum ersten Mal wirklich.
Und wusste keine Antwort.
Aber etwas in ihm wusste:
Das war nicht das erste Mal.
_____________________________
Und irgendwo, außerhalb von beiden,
etwas, das noch keine Form hatte,
registrierte, dass sie sich wieder gefunden hatten.
Und begann zu warten.
Bis sie sich diesmal erinnern würden.
Oder diesmal endgültig nicht mehr.
to be Continued.......
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